Natürlich, mit Geschichte!

Industrialisierung

Blühendes Industrierevier

Angesichts seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt kann man sich heute nur schwer vorstellen, dass der Hochwald noch in jüngster Vergangenheit ein bedeutendes Industrierevier war. An zahlreichen Flüssen und Bächen rauchten einst die Hochöfen und dröhnten die Hämmer. Hier wurden Eisenerze geschmolzen und das Roheisen weiterverarbeitet. Auch die Kupfergewinnung spielte zeitweise eine bedeutende Rolle. Den kaum zu ermessenden Bedarf an Holzkohle deckte man in den Wäldern der Region, die schon bald großflächig vernichtet wurden.

Die Blüte der Eisenindustrie im Hochwald begann bereits im 15. Jahrhundert. Wesentliche Grundlage ihres wirtschaftlichen Aufschwunges war die Übernahme des Hochofens. Denn in diesem konnte man auch verhältnismäßig „arme“ Eisenerze verhütten. Wichtigste Erzquelle in der Region waren Toneisensteine aus den Schichten des Unterrotliegenden, die sogenannten „Lebacher Eier“. Deren oberflächennahe Vorkommen konnten auch von ungelernten Arbeitskräften im Tagebau ausgebeutet werden. Häufig waren daher selbst die Bauern in den Wintermonaten als Erzgräber tätig. In den Hochöfen produzierte man Roheisen, das vor allem als Gusseisen Verwendung fand. Um schmiedbares Eisen oder Stahl zu erhalten, musste es im Frischfeuer von Verunreinigungen befreit, verdichtet und ausgeschmiedet werden. Der enorme Bedarf an Holzkohle und ein hoher Verlust an Eisen in die Schlacke machten dieses Verfahren allerdings wenig rentabel.

Zwar brachte der Dreißigjährige Krieg um 1635 vorübergehend das Ende der Hochwaldhütten, doch noch im 17. Jahrhundert wurden die meisten Werke wieder in Betrieb genommen. Neue Standorte kamen hinzu. Erst der Siegeszug der günstigeren Steinkohle bedeutete schließlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den endgültigen Niedergang der Hochwaldhütten. Heute liegen diese Industriedenkmäler in einem Dornröschenschlaf und werden von der Natur zurückerobert. Sie sind lebendige Zeugnisse einer Epoche, die wie kaum eine andere die Geschicke der Region geprägt und die Gestalt der Landschaft Hochwald bestimmt hat. Die Geschichten der Menschen aus dieser Zeit sind bis heute lebendig. Während den Hüttenherren nicht selten ein bemerkenswerter sozialer Aufstieg gelang, lebten die Holzfäller und ihre Familien am Rande des Existenzminimums.