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Studien

Deutsche Nationalparke sind ein starker Motor für Wertschöpfung und Tourismusentwicklung: 51 Millionen Besucher setzen bundesweit 2,1 Milliarden Euro um

Rund 50,9 Millionen Menschen pro Jahr besuchen die deutschen Nationalparke und bewirken damit einen Bruttoumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht etwas mehr als 69.000 Arbeitsplätzen, die vom Tourismus in Nationalparken abhängig sind. 20,6 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind „Nationalparktouristen im engeren Sinne“. Für sie ist das Schutzgebiet ein wichtiger Grund für den Aufenthalt in der Region. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Geographie der Universität Würzburg, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Auftrag gegeben und im November 2009 präsentiert hat.

Bei fünf deutschen Nationalparken wurde die Bedeutung des Tourismus für die jeweilige regionale Wirtschaft bestimmt und mittels einer Hochrechnung abgeschätzt, wie sich die Gesamtsituation bundesweit darstellt.

„Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der mit Nationalparken verbundene Tourismus einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region leisten kann. Damit tragen Nationalparke auch zum Erhalt und zur Entwicklung langfristiger Arbeitsmarktpotenziale bei, ein Faktor der gerade in ländlichen Gebieten ganz wesentlich ist", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Die Studie gewährt detaillierten Aufschluss über Besucherstrukturen und Motivation von Gästen in deutschen Nationalparken. Die Ist-Analyse enthält wertvolle Hinweise für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Umfeld der Nationalparke, die gleichermaßen den Schutzzielen, den Ansprüchen der Gäste und der Wettbewerbsfähigkeit der Schutzgebietsregion gerecht wird.

Die von Nationalparken ausgehenden positiven wirtschaftlichen Effekte durch den Tourismus sind für die politische Diskussion über die Akzeptanz dieses Flächeninstruments sowie die Förderung strukturschwacher Räume von Bedeutung. Die im Rahmen des Vorhabens gewonnenen Daten stellen eine solide Basis dar, um in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern mehr Akzeptanz für Schutzgebiete vor Ort und Naturschutz zu schaffen.

Diese Studie ist unter dem Titel "Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen Nationalparken" im Landwirtschaftsverlag in der Reihe Naturschutz und Biologische Vielfalt (Heft 76) erschienen und kostet 18 Euro (ISBN 978-3-7843-3976-4). Zu beziehen über den BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, www.buchweltshop.de/bfn/

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Nationalpark Teutoburger Wald

Ein aktualisiertes Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des geplanten Nationalparkes Teutoburger Wald (Oktober 2011), das Roland Berger erstellt hat, beschreibt wirtschaftliche Risiken und Chancen eines Nationalparks für Forst und Holzwirtschaft sowie mögliche positive Effekte für den Tourismus in der Region.

Der Autor hat untersucht, welche holzverarbeitenden Unternehmen überhaupt Holz aus der Nationalparkkulisse beziehen und welchen Anteil dieses Holz an den insgesamt verarbeiteten Produkten hat. Danach sind es nur einzelne kleinere Unternehmen mit einer sehr geringen Zahl von Arbeitsplätzen, die erheblich betroffen sind. Dem stehen nach der Einbeziehung größerer Anteile öffentlicher Flächen und dem geplanten Flächentausch zwischen Landesverband Lippe und Land NRW sehr deutliche Überschüsse aus touristischen Mehreinnahmen und zugesagten Investitionen des Landes NRW im Nationalpark gegenüber. Dadurch können im Endeffekt mehr Arbeitsplätze generiert werden, als in der Holzverarbeitung entfallen.

Das vorständige Gutachten finden Sie hier.

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Nationalpark Bayerischer Wald

Bereits 1978 wurde durch eine Studie nachgewiesen, dass durch die Einrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald jährlich allein im Fremdenverkehr des Landkreises Freyung-Grafenau eine Umsatzsteigerung von rund 30 Millionen Mark (15 Millionen Euro) mit entsprechenden Arbeitsplatzeffekten erzielt wurde.

Eine spätere Untersuchung der Universität Passau belegte erneut die wirtschaftliche Wirkung des Nationalparks Bayerischer Wald: Während in den Jahren 1985 bis 1992 das Tourismusaufkommen in Bayern um 20 Prozent gestiegen ist, verzeichneten die Nationalparkgemeinden einen Zuwachs von 67 Prozent. Seit der Nationalpark Bayerischer Wald 1982 eröffnet wurde, hat er jährlich über
200.000 Besucher registriert. Der Landkreis Freyung verfügt über 8000 Vollarbeitsplätze im Tourismus (bei 33.000 Beschäftigten insgesamt). Seine Urlauber geben jährlich zweistellige Millionenbeträge für Glaseinkäufe aus.

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Nationalpark Eifel

Das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW hat für 2004 steigende Gäste- und Übernachtungszahlen ermittelt. Das Land von Kohle und Stahl wird zunehmend auch zur Tourismusregion: Mit knapp 7,5 Millionen Gästen (plus 6,2 Prozent) und 18 Millionen Übernachtungen (plus 3,5 Prozent) gibt es einen neuen Höchststand. Besonders interessant war die Entwicklung in der Eifel, wo es 2004 eine überdurchschnittliche Steigerung der Gäste- und Übernachtungszahlen gab, nachdem hier in früheren Jahren nur Rückgänge und Stagnation zu verzeichnen waren. Mit fast zehn Prozent mehr Gästen in 2004 zeigten sich erste positive Wirkungen des neuen Nationalparks Eifel. Eine ganze Region hat durch dieses Naturschutz-Großprojekt eine neue Attraktivität bekommen.

Am 26. Mai 2006 gab der Nationalpark Eifel folgende Presseinformation heraus: Laut einer 
Besucher-Befragung im Nationalpark Eifel würden mehr als 80 Prozent der Nationalpark-Besucher die Erlebnisregion Nationalpark Eifel für einen Urlaub empfehlen. Zu diesem Ergebnis kommt das Geographische Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen nach Befragung von 1052 einheimischen und auswärtigen Besuchern des Nationalparks. „Zwölf Prozent der Interviewteilnehmer kannten das Gebiet vor Gründung des Nationalparks nicht aus persönlichen Erfahrungen. Bei diesen Personen handelt es sich um echte Neukunden“, berichtete Prof. Dr. Claudia Erdmann, die Leiterin des Studienschwerpunktes Tourismus am Geographischen Institut. An sieben Sonntagen von Frühsommer bis Herbst 2005 führten Studierende die Befragung im Auftrag des Nationalparkforstamtes Eifel durch. Gleichzeitig ließ die Eifel Tourismus (ET) GmbH zur Bestimmung von Zielgruppen und Optimierung des touristischen Angebotes durch das Institut eine Analyse der Ergebnisse durchführen. Diese zeigte, dass etwa 90 Prozent der interviewten Personen aus Deutschland anreisten, überwiegend aus dem linksrheinischen Nordrhein-Westfalen. Mehr als ein Viertel der Befragten kamen speziell wegen des Nationalparks in die Region.

Geschätzt werden vor allem die intakte Natur sowie die Landschaft mit ihrer Vielfalt, Weite und Schönheit. Zudem überzeugt die touristische Angebotsstruktur, welche Erholung und Entspannung sowie Aktivitäten unterstützt. Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, freute sich: „Die Interviews zeigen uns deutlich, dass der Nationalpark Eifel und die umliegenden Kommunen als räumliche Erlebniseinheit gesehen werden. 

Wandern, Spazierengehen und gutes Essen sind die Hauptmotive für einen Ausflug in die Nationalparkregion.“

Unter ökologischen Gesichtspunkten schätzen Besucher insbesondere das „Wasser“ mit den Seen und Flüssen sowie den „Wald“ und die „gute Luft“. Kindern ist der Schutz von Tieren besonders wichtig. Einheimische Besucher spüren durch die Gründung des Nationalparks als positive Effekte vorwiegend die besseren Freizeitmöglichkeiten sowie den gestiegenen Tourismus mit den damit verbundenen Struktur fördernden Impulsen. Ein Anstieg der Verkehrsbelastung wurde durch 8,5 Prozent der Befragten kritisch bewertet. Gefordert wurden daher die Einschränkung des Individualverkehrs sowie die Erweiterung des öffentlichen Personennahverkehrs. Mehr als zwei Drittel der Befragten vertraten die Meinung, dass bei der Entwicklung des Nationalparks innerhalb des Großschutzgebietes auf ein geringes Maß an touristischer Erschließung geachtet werden solle. Diese Aussage steht im Einklang mit den Antworten, die auf die Frage nach den Funktionen von Nationalparks gegeben wurden. Hier stand der Schutzgedanke klar im Vordergrund. Es folgten Erholung, Tourismus und Bildung. Der Großteil der befragten Besucher war älter als 36 Jahre.

Weitere Informationen unter
http://www.nationalpark-eifel.de/go/eifel/german/Ueber_uns/SOeM__mit__Bericht.html .

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Nationalparke beflügeln den Tourismus

Naturschutz ist ein wichtiger Faktor für den Tourismus in Deutschland und damit eine zentrale Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung des ländlichen Raumes. Das belegt eine BfN-Studie „Ökonomische Effekte von Großschutzgebieten". Sie macht deutlich, dass sich die Investitionen in Großschutzgebiete lohnen. Sie zeigt auch, dass sich Naturschutz und Regionalentwicklung nicht gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil: Naturschutz kann beachtliche positive Einkommenseffekte entfalten.

Ein Erfolgsbeispiel: Der Nationalparkverwaltung Müritz ist es gelungen, den Nationalpark auch als touristische Marke zu etablieren. So wurden 2004 an der Müritz allein durch die Besucherinnen und Besucher der Nationalpark-Region Bruttoumsätze von rund 13,4 Millionen Euro erzielt. Die mit dem Nationalparktourismus verbundenen regionalökonomischen Effekte entsprechen dort rund 630 Arbeitsplätzen. Für 56 Prozent der Müritz-Urlauber spielte die Existenz des Nationalparks eine große oder sehr große Rolle bei der Reiseentscheidung. Das ergab die im Auftrag des Bundesumweltministeriums von der Universität München, Institut für Wirtschaftsgeografie, und dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (DWIF) erstellte Untersuchung über die regionalökonomischen Effekte von Großschutzgebieten im Tourismus.

Diese Studie umfasste neben dem Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern auch die Naturparke Altmühltal (Bayern) und Hoher Fläming (Brandenburg). Bei der Berechnung der wirtschaftlichen Effekte wurden die Einflüsse der Witterung im Jahr 2004, der verschiedenen Saisonzeiten und der unterschiedlichen Frequentierung der Gebiete an Wochenend- und Feiertagen sowie Wochentagen berücksichtigt.

Im Naturpark Altmühltal betrugen die Bruttoumsätze durch  landschaftsbezogenen Tourismus 20,7 Millionen Euro, im Naturpark Hoher Fläming 6,2 Millionen Euro. Im Altmühltal entspricht dies Beschäftigungsäquivalenten von 483 Arbeitsplätzen, im Hohen Fläming von 211 Arbeitsplätzen.

Naturgemäß profitieren in allen Gebieten besonders das Gastgewerbe, aber auch der Einzelhandel und das Dienstleistungsgewerbe durch die Besucher der Großschutzgebiete.

Die Studie „Ökonomische Effekte von Großschutzgebieten“ ist downloadbar bei www.bfn.de unter http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/skript135.pdf oder http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/skript151.pdf.

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Österreich feierte 25 Jahre Nationalparke: Heimische Naturschätze sind wesentlicher Wirtschaftsfaktor

Österreichs Nationalparke feierten im März 2006 ihren 25. Geburtstag. Ein Vierteljahrhundert zuvor wurde der erste von sechs Nationalparken gegründet. Die österreichischen Nationalparke machen mittlerweile drei Prozent oder rund 250.000 Hektar der gesamten Staatsfläche aus. Bund und Länder investieren in die Nationalparke jährlich rund 22 Millionen Euro.

Die Alpenrepublik orientiert sich bei den Parken an den strengen Auflagen der International Union for the Conservation of Nature and Natural Ressources (IUCN). Mit der Anerkennung des Tiroler und Salzburger Teils der Hohen Tauern wurde bereits gerechnet. Damit wäre Österreich das erste Land der Welt, dessen Nationalparke international anerkannt sind.

„Die Erfolgsgeschichte der Nationalparke wurde auch durch viele private Initiativen, die Unterstützung der Medien und das Engagement von Umweltorganisationen und der Bundesländer möglich. Wir sind in Österreich mit dem Prinzip der Freiwilligkeit sehr gut gefahren", erklärte Peter Rupitsch, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern, der für den Bereich Kärnten zuständig ist. Damit sei Österreich auch Vorbild für Betreiber von Nationalparken in anderen Ländern.

Nach einer Gallup-Umfrage von 2005 stellten die Besucher den Nationalparken beste Noten für das Programmangebot und dessen inhaltliche Qualität, das Niveau der Führungen und den Naturerlebniswert aus. Hervorragende Werte gab es auch für die fachliche Kompetenz der Mitarbeiter der Parks.

Die österreichischen Nationalparke erfreuen sich großer Beliebtheit. Allein im 2005 waren mehr als 61.000 Schüler im Rahmen von Projekten in den Nationalparken unterwegs und haben an 3700 Führungen teilgenommen. Darüber hinaus gab es 2300 geführte Exkursionen und Wanderungen mit 34.300 Teilnehmern.

Auch bei ausländischen Gästen ist die Akzeptanz der Nationalparke groß. Die österreichischen Nationalparke sind ein wesentlicher Wirtschafts- und Tourismusfaktor in den Regionen. 6,5 Prozent aller Sommernächtigungen werden in Nationalparkgemeinden registriert. Allein die Übernachtungen bringen eine Wertschöpfung von 451 Millionen Euro. Zudem ist die Aufenthaltsdauer ist mit 5,5 Tagen um einen Tag höher als im österreichischen Schnitt.

(Quelle: pressetext.austria, Wolfgang Weitlaner).

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Weitere Studien

Harteisen, Ulrich & Liepmann, Peter (2003): Förderung des Landestourismus NRW - Handlungsorientierte Konzeptstudie über die regionalökonomischen, u.a. touristischen Entwicklungsperspektiven einer Nationalparkregion Senne.- Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Universität Paderborn & Forschungszentrum Senne
(downloadbar als pdf-Dokument auf der Webseite der Bezirksregierung Detmold)

Küpfer, Irene: Die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Nationalparktourismus- Bezug: Schweizerischer Nationalpark, CH-7530 Zernez, info(at)nationalpark.ch

Leibenath, Markus (2001): Entwicklung von Nationalparkregionen durch Regionalmarketing. Untersucht am Beispiel der Müritzregion.- Europäische Hochschulschriften, Reihe 5: Volks- und Betriebswirtschaft, Bd. 2732, ISBN 3-631-37602-2

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