20.04.2018 08:01 Uhr Alter: 38 days
20.04.2018

Nationalpark erhält Auszeichnung der Vereinten Nationen

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat eine Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt erhalten. Im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ wurde das Inklusions-Projekt „Ein Nationalpark für alle“ gewürdigt. Beim Festakt am Rangertreffpunkt Thranenweier im Nationalpark waren die Umweltministerien aus Rheinland-Pfalz und Saarland zugegen.

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist ein Großschutzgebiet. Hier wird die Natur sich selbst überlassen. Natürliche Prozesse werden ermöglicht, in die Menschen bewusst nicht gestaltend eingreifen. Eine besonders vielfältige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt sich ausschließlich nach den Gesetzen der Natur. Mit Besucherangeboten möchte der Nationalpark diese faszinierende Natur und ihre Prozesse für alle erlebbar machen. Interessierte sollen die entstehende Wildnis mit allen Sinnen erfahren können. Aber leider ist die Wildnis oft alles andere als barrierefrei. Doch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald arbeitet man im Projekt "Nationalpark für alle" mit Experten und Betroffenen zusammen, um barrierefreies Erleben im Nationalpark auf vielfältige Weise zu ermöglichen.

Zweimal im Jahr trifft sich die Expertengruppe, um über Barrierefreiheit & Inklusion im Nationalpark zu sprechen. Neben Behindertenbeauftragten aus Rheinland-Pfalz und Saarland treffen sich unterschiedliche soziale Einrichtungen, Tourismusbehörden sowie Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen, Seh- und Hörgeschädigte mit der Nationalparkverwaltung. Sie prüfen bestehende Angebote, planen neue und tauschen sich aus. In den ersten drei Jahren des noch jungen Nationalparks hat die Expertengruppe schon einige Angebote umgesetzt. Für Menschen mit Gehbeeinträchtigung gibt es bereits eine spezielle Rangertour, die über größtenteils ebene Strecken führt, damit Menschen mit Rollstuhl oder Rollatoren die Tour besuchen können. Zuggeräte für Rollstuhlfahrer können kostenfrei ausgeliehen werden. Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung findet einmal monatlich eine spezielle Rangertour in Gebärdensprache statt. Zusätzlich stehen jederzeit FM-Anlagen als Hörhilfen zur Ausleihe für Rangertouren zur Verfügung. Ein neu entwickelter Wanderführer in Brailleschrift ermöglicht das Erlebnis einer speziellen Tour durch den Nationalpark für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Und eine Broschüre in Leichter Sprache bringt Menschen mit geistiger Beeinträchtigung die Themen des Nationalparks nahe.

Das Inklusions-Projekt des Nationalparks wurde jetzt bei einem Festakt am Rangertreffpunkt in Thranenweier der von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Ehrung des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ wird an vorbildliche Projekte verliehen, die mit ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die Natur und biologische Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bieten.

Ulrike Höfken, Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz, gratulierte dem Nationalparkamt vor Ort und sagte anlässlich der Urkundenverleihung: "Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist eine große Herausforderung unserer Zeit, die auch jeden Menschen berührt und betrifft. Laut dem Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz von 2015 ist in Deutschland jede dritte Art gefährdet – wie etwa die Wildkatze, das Wappentier des Nationalparks sowie Tier des Jahres 2018. Unser Nationalpark zeigt, dass der Schutz unserer Tier- und Pflanzenarten vor der Haustüre beginnt. Mit dem Inklusions-Projekt 'Nationalpark für Alle' wollen wir diesen Schatz der biologischen Vielfalt für alle Menschen erlebbar machen.“

Der saarländische Staatssekretär für Umwelt und Verbraucherschutz, Roland Krämer, fügte hinzu: "Das Projekt 'Ein Nationalpark für alle' bringt Menschen in der Natur zusammen und überwindet soziale Grenzen und Hindernisse. Barrierefreiheit wird aber nicht sofort überall und gleichermaßen erreichbar sein – hier schafft die Natur selbst oft Barrieren. Doch sollte das, was den Nationalpark ausmacht und was wir vermitteln wollen, auch barrierefrei für jedermann nutzbar sein."

Übergeben wurde die Auszeichnung im Namen der Geschäftsstelle der UN-Dekade von Dr. Volker Scherfose vom Bundesamt für Naturschutz. Dieser lobte das Inklusions-Projekt des Nationalparks Hunsrück-Hochwald als vorbildliches Beispiel, bei dem unterschiedliche Organisationen, aber insbesondere auch Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen daran beteiligt sind, Naturerlebnisse für alle Menschen zu ermöglichen. "Der persönlichen Zugang und Kontakt zur Natur ist für alle Menschen wichtig. Denn nur, was man kennt, ist man auch bereit zu schützen." so Dr. Volker Scherfose.

Im Anschluss an die Urkundenübergabe konnte bereits das nächste barrierefreie Projekt im Nationalpark Hunsrück-Hochwald eröffnet werden. Am Riedbruch, einem renaturierten Moor, haben Ranger und Rangerinnen einen breiten Steg aus Eichenholz gebaut. Auf diesem können Rollstuhlfahrer und –fahrerinnen ab sofort diesen besonderen Lebensraum des Nationalparks Hunsrück-Hochwald barrierefrei erleben.

Zum Sonderwettbewerb „Soziale Natur - Natur für alle“ der UN-Dekade Biologische Vielfalt
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des UN-Übereinkommens von 1992 unterstützen. Ziel ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu soll auch das gesellschaftliche Bewusstsein gefördert werden. Genau hier setzt die deutsche UN-Dekade mit dem Sonderwettbewerb „Soziale Natur - Natur für alle“ an und lenkt den Blick auf die Chancen, die Natur für den sozialen Zusammenhalt bietet. Die Dekade möchte bei mehr Menschen Interesse für die Naturvielfalt wecken und das Naturbewusstsein in der Gesellschaft stärken. Im Rahmen des Sonderwettbewerbs werden vorbildliche Projekte an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen ausgezeichnet.