Nationalpark Hunsruck-Hochwald

Moore & Brücher im Nationalpark – im Dialog auf der Akademie

PRESSEMITTEILUNG

Auf der Nationalpark-Akademie im August steht ein Thema im Vordergrund, dass in den letzten Monaten in den Medien aufgegriffen wurde. Insbesondere die Renaturierung der Moorflächen in Thranenweier stand hierbei im Fokus.

Dr. Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamtes, möchte im Bezug auf die Moorrenaturierung einen engen Kontakt mit der Öffentlichkeit herstellen. Für den Nationalpark ist ein offener Dialog ein wichtiger Baustein in allen Bereichen seiner Aufgaben. Daher hat man sich im Nationalparkamt dazu entschieden, das Thema „Moore“ zum vierten Mal in der monatlich stattfindenden Reihe der Nationalpark-Akademie aufzugreifen. Gemeinsam mit Vertretern der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, eines Projekts der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz und des Fachbereichs Hydrologie der Universität Koblenz Landau möchte man an diesem Abend transparent und umfassend informieren und den Austausch mit Interessierten suchen.

Rückblick auf Projekte der letzten 25 Jahre

Die ersten Renaturierungen der Hangbrücher im Hochwald starteten bereits in den 90er Jahren. Es wurden unterschiedliche Projekte durchgeführt, wie beispielsweise im Naturschutzgebiet „Hangbrücher bei Morbach“, beim Interreg-Projekt „WaReLa“ (Wasserrückhalt durch angepasste Landnutzung) oder im EU-Life-Projekt „Moore“. Alle Projekte liefern den Handelnden im Nationalpark im Rückblick wichtige Erkenntnisse. Die wissenschaftliche Begleitung war und ist bei den Maßnahmen eine der wichtigen Voraussetzungen. Aber es fehlen dabei belegbare lange Zeitreihen und Langzeituntersuchungen. Daher hat die Arbeitsgemeinschaft „Hangmoore“, die durch den Nationalpark initiiert wurde, ein Langzeit-Monitoring angestoßen. Die Experten ringen um eine richtige und standortgerechte Vorgehensweise bei der Renaturierung der Brücher. Wichtige Informationen liefert hierbei auch das Projekt „MoorWaldBilanz“ der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz, das Dr. Jan Paul Krüger von der UDATA GmbH - Umwelt und Bildung auf der Akademie vorstellt.

Aktuelle Projekte & ihre Rezeption

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz berichtet über das noch laufende EU-Projekt „Hochwald“ in Thranenweier, das kurz vor dem Abschluss steht. Hier werden auf rund 105 Hektar Fläche bis 2020 Wiedervernässungsmaßnahmen unterschiedlicher Ausführungen umgesetzt. Nicht standorttypische Gehölze wurden bereits bodenschonend entfernt. Das Projekt wurde in jüngster Vergangenheit medial in Frage gestellt. Die ungewohnten Landschaftsbilder, die die Maßnahmen bedingten, haben durch die Aufmerksamkeit Emotionen bei den Betrachtern hervorgerufen. Sowohl Positive als auch Negative. Genauso divergent waren auch die Rückmeldungen, die die Nationalparkverwaltung erhielt.

Im Nationalparkamt möchte man behutsam, differenziert und fachlich ausgewogen auf die öffentliche Resonanz reagieren. Dr. Harald Egidi möchte klarstellen: „Wir beschäftigen uns eingehend mit den Reaktionen aus der Bevölkerung. Als Nationalparkverwaltung haben wir den Anspruch unsere Arbeit zu erläutern und die Menschen mitzunehmen. Aber manchmal ist die fachliche Tiefe nicht einfach vermittelbar.“

Detaillierte Betrachtung & gezielte Information

Harald Egidi weist darauf hin, dass die Renaturierungsfläche nur 1,2 % des gesamten Nationalpark-Gebiets und nur 9,2 % der potentiellen Hangbruch-Flächen betrifft. Die sehr differenzierte kleinstandörtliche Situation macht eine differenzierte Befassung erforderlich. In diesem Zusammenhang ist der plakative Begriff „Moore“ eine Art Sammelbegriff für die verschiedenartigen Feuchtgebiete. Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt es Feuchtwälder, staunasse Wälder, Hangbrücher, Bruchwälder, Zwischen- und Übergangsmoore und vieles mehr. Dies spiegelt sich allerdings nicht in nur einen Begriff wieder.

Man setzt im Nationalparkamt daher bewusst auf Schwerpunkt-bezogene Informationen, um die fachliche Tiefe der Nationalparkarbeit für die Öffentlichkeit greifbar zu machen. Informiert wird im Internet und über die klassische Pressearbeit. Zusätzlich geben die Ranger im Nationalparkgebiet und auf Markt-Infoständen in der Region gerne Auskünfte und erläutern die Nationalpark-Aufgaben. Geplante Maßnahmen im Nationalparkgebiet werden im Vorfeld durch eine Baustellenkommunikation, Postwurfaktionen für betroffene Gemeinden, Informationen an Gemeinderäte und Einladungen zu Gebietsbegehungen begleitet.

Die Maßnahmen des aktuell laufenden Projekts „Hochwald“ sind mit Ausnahme von Bachauen-Renaturierungen nahezu abgeschlossen. Die Referenzen werden nun beobachtet, d.h. die unterschiedlichen Flächen werden verglichen, die Entwicklung untersucht und wissenschaftlich begleitet. So wird beispielsweise der Wasserrückhalt auf der Fläche kontrolliert. Er ist ein zunehmend wichtiges Instrument zur Vermeidung von Abfluss-Spitzen bei Starkregen-Ereignissen.

Ausblick auf eine planvolle Nationalparkarbeit

Aktuell wird der Nationalpark-Plan erstellt, der alle Maßnahmen des Nationalparkamtes kurz-, mittel- und langfristig festlegt. Der Grundsatz aller Entwicklungsmaßnahmen ist darin festgehalten: Nicht Zielzustände werden definiert, sondern man will mit Initial-Eingriffen wie Grabenverschluss oder Wegerückbau Faktoren ausschalten, die einen naturdynamischen Prozess auf Dauer beeinträchtigen.

In der NLP-Plan-Dekade wird der Schwerpunkt auf Forschung und Monitoring in den bearbeiteten Flächen gelegt. Potenzielle weitere Flächen werden zunächst nur kleinstandörtlich analysiert, ehe hierzu Entscheidungen über weitere Entwicklungsmaßnahmen fallen. Nur wenn die Natur spontane Eingriffe vornimmt, also wenn beispielsweise ein Orkan oder ein Schneeeinbruch das Gebiet verändern, dann kommen gegebenenfalls noch neue Flächen hinzu.

Der jetzigen Phase der emotionalen und oft von spontanen optischen Eindrücken geprägten Stimmungslage wird nun eine Phase folgen, die die Chance bietet, anhand konkreter Messdaten und Erkenntnissen die Entwicklung der behandelten Flächen zu begleiten und Rückschlüsse für etwaige notwenige Schritte zu ziehen.

Harald Egidi schließt hierzu: „Wir können derzeit nur Anstöße für eine weitere natürliche Entwicklung geben. Nun können wir innehalten, in Ruhe beobachten und vergleichen. Der Entwicklungszeitraum des Nationalparks ist lang. Er dauert bis 2045. Danach findet kein Eingriff mehr statt. Sie sehen, wir haben Zeit….“

 


Liste der Referenten der Nationalpark-Akademie:

> Dr. Jan Paul Krüger, UDATA GmbH - Umwelt und Bildung
> Dr. Julian J. Zemke, Fachbereich Hydrologie der Universität Koblenz Landau
> Moritz Schmitt und Margret Scholtes, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz



Weitere Informationen:

https://snu.rlp.de/de/projekte/moore/

https://www.waldklimafonds.de/fileadmin/SITE_MASTER/content/Dokumente/Projektbeschreibung/096_MoorWaldBilanz.pdf

https://snu.rlp.de/fileadmin/3_Projekte/1_Moorschutz/PDF/Presseecho/1701_MoorWaldBilanz_Wald.Werte.Wir.1_2017.pdf

https://www.uni-koblenz-landau.de/de/koblenz/fb3/ifin/geographie/forschung/nationalpark

 

 




Bilder Ochsenbruch 2018

Wo Wollgras und Sonnentau sich bereits wiederansiedelt haben - der Ochsenbruch drei Jahre nach der Renaturierung.

Die Bilder in größerer Auflösung finden Sie hier >



Bilder Thranenbruch 2018

Teilbereiche des Gebiets Thranenbruch, in dem noch Renaturierungsmaßnahmen laufen.

Die Bilder in größerer Auflösung finden Sie hier >