Nationalpark Hunsruck-Hochwald
17.04.2020 15:21 Uhr Alter: 39 days
17.04.2020

Sturm „Sabine“ und die Folgen - aktuelle Forstarbeiten

Beschränkungen des Straßenverkehrs an der B 269 ab 27.04.2020 geplant

Auch wenn jetzt die Frühlingssonne den regnerischen und stürmischen Winter etwas vergessen lässt, so sind die Spuren von Sturm „Sabine“ Anfang Februar in den Wäldern noch hier und da zu sehen. Autofahrer mussten wegen der vielen umgefallenen Bäume auf der B 269 im Hochwald zwischen Hüttgeswasen und der Abfahrt Hattgenstein nach dem Sturm fast eine Woche wegen der dadurch notwendigen Vollsperrung Umwege in Kauf nehmen. Straßenmeisterei, Forstverwaltung und Nationalparkamt waren froh, dass durch die umstürzenden Bäume niemand zu Schaden kam. Ab dem 27.04.2020 sind hier weitere Forstarbeiten geplant.

In den vergangenen Wochen konnten vorbeifahrende Autofahrer an der B 269 beobachten, wie Forstwirte die Stämme von den Wurzeln trennten. Eine Windwurfaufarbeitung ist immer ein großer Gefahrenpunkt und bedarf besonderer Erfahrung. Die Stämme wurden mit moderner Technik aufgearbeitet. Das Holz liegt jetzt zur Abfuhr in eigens eingerichtete Zwischenlagerplätze bereit, wo es bis zur Verwertung konserviert wird.

Aber warum fallen besonders Fichten den Stürmen zum Opfer? Und gibt es Waldbereiche, an denen Bäume stabiler stehen? Dieser Frage gehen Fachleute der Bodenkunde im Wald nach. So ist bekannt, dass sich gerade in diesem Bereich des Hochwaldes sehr wasserreiche Böden befinden, die zu stauender Nässe neigen. Die Erfahrung zeigt, dass dort die Bäume nicht so tief wurzeln können und somit die Gefahr des Umstürzens groß ist. Gerade in Teilen des dortigen Waldes, wurde sogar eine Seilbahntechnik bei der letzten Durchforstung eingesetzt, um den Boden zu schonen. In diese aufgelichteten Bereiche wurden danach junge Buchen gepflanzt, die in der nächsten Waldgeneration den reinen Nadelwald durch einen stabileren Mischwald ablösen sollen.

„Dass in diesem Bereich des Nationalparks die Bäume nicht liegen bleiben, begründet sich darin, dass wir uns dort in der Waldschutzzone nahe an der Außengrenze des Nationalparks befinden“, sagt Hans-Joachim Brusius, zuständig für die Waldentwicklung beim Nationalparkamt. Die umgefallenen Fichten werden im Frühjahr sehr schnell von Borkenkäfern befallen, die sich dort in großer Zahl vermehren. Daher sind unsere Ranger und unsere Kollegen von Landesforsten in diesen Tagen sehr bemüht, diese Bäume zu finden und arbeiten mit Hochdruck daran, die Bäume aus diesen Bereichen zu entnehmen. Einzelne Bäume werden auch entrindet, um sie für Borkenkäfer unbewohnbar zu machen.

Nachdem dieser Schritt an der Stelle jetzt vollzogen ist, bleibt die Frage: Was passiert mit den verbliebenen Bäumen am Straßenrand? Durch die jetzt fehlenden Bäume besteht bei einem nächsten Sturm die Gefahr, dass weitere Bäume auf die Straße fallen und so die Autofahrer akut gefährdet werden. Abgerissene Feinwurzeln und die Nässe im Boden erhöhen zudem das Risiko. So entschieden Jan Rommelfanger, Abteilungsleiter im Nationalparkamt und Hans-Joachim Brusius bei einer gemeinsamen Begehung in den vergangenen Tagen, dass es notwendig ist, weitere Bäume entlang der Straße vorsorglich zu fällen. Hierzu ist es erforderlich, die Straße zu sperren. Diese ab dem 27.04.2020 geplante Sperrung wird aber mit einer Ampel geregelt und nur von kurzer Dauer sein. Dann kann der Verkehr wieder fließen.

Und für einzelne Bäume, die auf den nassen Waldflächen liegen bleiben, werden in den kommenden Wochen bodenschonende Pferdestärken zum Einsatz kommen. An diesen Stellen, die nicht mit schweren Maschinen befahren werden können, wird ein Rückepferd die aufgearbeiteten Holzstämme in kurzen Stücken aus dem Wald ziehen.